Archive for August 2010

nTLD-Einführung: Worauf Registries achten sollten

3. August 2010

Roland LaPlante (Senior Vice President and CMO at Afilias) machte dieser Tage einige Vorschläge für angehende Registries, die neue Top Level Domains einführen werden, sobald ICANN endlich soweit ist (was frühestens Ende des Jahres der Fall sein, sich aber eher weiter verzögern wird).

Aus den Erfahrungen, die Afilias mit dem Umgang und der Einführung mehrerer Top Level Domains wie .info (vor beinahe neun Jahren) gemacht hat, ergibt sich nach LaPlante folgendes:

1. sollte eine zukünftige Domainverwaltung bei der Einführung einer neuen Top Level Domain darauf achten, dass Rechteinhaber ihre Rechte sichern können. Das geschieht am besten im Rahmen einer so genannte Sunrise Period, innerhalb der Domains unter Verweis und Beleg von Markenrechten bestellt werden können. Voraussetzung dafür sind klare Regeln, die einen zeitlichen Rahmen für die Anmeldung und Eintragung von Marken geben und wie sie ggf. in Domainnamen »übersetzt« werden. Die Daten lässt man von Fachleuten überprüfen. Die so vorgestellten Domains kommen nach Abschluss der Sunrise Periode in eine rund 60 Tage währende Quarantäne, in der Dritte Einwände geltend machen können.

2. Es folgt die Landrush-Phase, die die Technik strapazieren wird. Afilias hat Erfahrungen, das bei Beginn der Landrush innerhalb der ersten Minute die Server mit 300.000 Anfragen behelligt werden. Die Server müssen entsprechend skalieren können, was man in vorangehenden Tests prüft.


Auch für die Landrush müssen klare Regeln aufgestellt sein. Gebühren sollten für die Teilnahme an der Landrush nicht erhoben werden und Registrare sollten dazu angehalten werden, keine Gebühren gegenüber den Endnutzern geltend zu machen. Eine neue Top Level Domain macht sich keinen guten Namen, wenn man schon für die geringe Chance, einen Domainnamen zu registrieren, zahlen muss. Eine Gebühr ist nur gerechtfertigt, wenn Gewissheit besteht, dass der Besteller die Domain auch wirklich erhält.

3. In der Folge gibt es zwei Strategien, aufgrund der sich Domainverwaltungen für die Zukunft auf sichereres Terrain begeben können, sei es finanziell, sei es durch Renommee. So kann man einerseits erwägen, so genannte Premiumdomains zurückzuhalten, um sie dann zu Versteigern. Dazu gehören allgemeine Begriffe, die sich als die begehrtesten Domains etabliert haben. Andererseits lassen sich solche Domains und ihre Verwaltung auch über eine Einladung zur Bewerbung (RFP: request for proposal) um die begehrten Domains sehr gut vermarkten. Interessenten machen Vorschläge, welche Projekte sie unter einer Domain etablieren wollen und liefern einen Businessplan dazu, wie sie das Projekt umsetzen.

Schließlich ist es allemal sinnvoll, hoheitliche und Territorialbegriffe zu sperren, damit diese von den Berechtigten Staaten und Regierungen genutzt werden können.


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