Archive for März 2011

.xxx wirklich schon am Start?

21. März 2011

Kaum hat ICANN im Laufe des 40. Meetings am Freitag, den 18.03.2011 sein – erneutes – OK für die Endung .xxx gegeben, überschlagen sich die Meldungen und Meinungen. Allein auf Circleid.com, einem der wichtigsten Branchen-Informationsseiten, die sich mit der Internet-Infrastruktur befasst, erschienen drei Artikel:

John Levine, der bei der Sitzung beim ICANN-Meeting in San Francisco dabei war und Sympathien nach allen Seiten und Argumenten bekundet, kommt zu dem Schluss, dass ICANNs Aufgabe ist, im Sinne der Allgemeinheit zu handeln. Dass die Endung .xxx, aber auch zahlreiche andere Endungen im Sinne allgemeiner Interessen seien und nicht lediglich im pekuniären Interesse der Initiatoren und späteren Betreiber der Endungen, sieht er nicht und lehnt damit die ICANN-Entscheidung ab. Mit dieser Argumentation lässt sich aber jede zukünftige Endung ablehnen. Denn ob sie im allgemeinen Interesse der Internetnutzer liegen, lässt sich im Vorhinein nicht sagen, sondern erst, wenn sie tatsächlich online ist und man die konkrete Reaktion der Nutzer feststellen kann.

Naseem Javed erlaubt sich eine zeitverschobene Stellungnahme, indem seinem Artikel vom 08. Juni 2005 nun nochmals online stellt. Der Artikel wurde obsolet, weil ICANN die Freigabe der Endung .xxx seinerzeit wegen massiver Kritik zurückzog, um die Endung nochmals zu überprüfen. Der Artikel ist nicht ganz ohne Aktualität, doch die Thesen sind in den vergangenen knapp sechs Jahren oft genug durchgekaut worden: absehbare Folgen und vermutliche Konsequenzen der Einführung von .xxx könnten sein: Abgrenzung und Polarisierung sind das eine, Geldmacherei das andere, denn nach wie vor wird im Bereich Erwachsenenunterhaltung im Internet am leichtesten Geld verdient (heute ist es vielleicht aber doch die Versicherungsbranche). Weiter ergibt sich die Möglichkeit für zum Beispiel Suchmaschinenbetreiber und Portale, den Zugriff auf .xxx-Seiten zu unterbinden. Schließlich ergeben sich über die Vermarktung der Erwachsenenindustrie hinaus auch Möglichkeiten Dritter, mit der Endung Geld zu machen: etwa durch Cybersquatting und den sich ergebenden Kennzeichenrechtsstreiten. Doch stellen sich über kurz oder lang drei Fragen: Müssen sich Erwachsenen-Angebote aus dem restlichen Netz zurückziehen und unter .xxx allein in Erscheinung treten? Was wird mit der Privatsphäre, wenn alleine bereits mit der Endung klar ist, was für Seiten man besucht hat? Und schließlich könnten Cyber-Squatter Domains registrieren, die den Namen ordentlicher Personen (natürlichen wie juristischen) entsprechen und deren Renommee beeinträchtigen. Javed schloss seinerzeit und schließt heute seinen Artikel mit Blick auf ein großes Domain-Fiasko. Dies scheint heute mehr als gestern unbegründet zu sein, wobei die Frage bleibt, die ich oben schon beantwortet habe: welche Endung ist sinnvoll? Die Nutzer werden es zeigen.

Ein Dritter Artikel stammt von einem nicht näher benannten CircleID Reporter, der die Fakten zusammenträgt und insbesondere auf ein Fünzehnminütiges Interview mit ICANN CEO, Rod Beckstrom, und Chairman Peter Dengate Thrush, in San Francisco über die Freigabe von .xxx. Zudem zitiert der Artikel ein Statement von Karl Auerbach, der erklärt, das .xxx-Ding ist noch nicht in trockenen Tüchern. ICANN und ICM-Registry müssen erst noch einen Vertrag aushandeln. Unklar ist auch, inwieweit die Gegengruppierung NTIA zu ICM Registry damit umgeht, ob sie nicht einen Rechtsstreit vom Zaune bricht und weitere vier beachtenswerte Punkte.

Alles in allem scheint die Lage noch immer nicht wirklich klar und der von ICM Registry-Chef Stuart Lawley zuversichtlich geäußerte Plan, bereits im Sommer mit der Sunrise Periode beginnen zu können, gefolgt von einer Landrush im Herbst erscheint sehr optimistisch.

neue Domain-Endungen: .sx vs. .xxx

18. März 2011

Manchmal ist man auch einfach nur ein Schaf.

IANA hat vor kurzem die neue country Code Top Level Domain (ccTLD) .sx – für Sint Maarten (Dutch part) – installiert. Nun hat openregistry.com den Zuschlag als Domain-Verwaltung erhalten und kündigt an, man werde voraussichtlich Adult Content eine Plattform geben. Womit .sx in Konkurrenz zur noch immer nicht von ICANN verabschiedeten Adult Endung .xxx träte.

Den Vorteil, den .sx hat ist, man ist eine Länderendung und muss sich keine Erlaubnis bei ICANN holen. Nach Eintrag in die Rootserver kann .sx eigentlich gleich loslegen: mit einer Sunrise Period und einer Landrush Period. Das wird innerhalb der kommenden sechs Monate über die Bühne gehen können.

Derweil ist immer noch unklar, was aus .xxx wird. Zur Zeit findet das 40. ICANN-Meeting statt. Die Adult Industry, das heißt ca. 25 Adult Webmaster protestieren gegen die Einführung von .xxx. Man rechnet damit, dass der gesamte Adult-Bereich unter diese Endung abgeschoben werden könnte, wo man sich jetzt unter allen Endungen verbreitet hat.

Zudem vermutet Domainer Andrew Alleman, dass mit einer weiteren Verzögerung der Einführung von .xxx der gesamte Ablauf der Einführung neuer generischer Top Level Domains (nTLDs) ins Stocken gerät. Letzteres wollen wir nicht hoffen. Es dauert schon viel zu lange mit der Einführung und die Gespräche zwischen GAC und ICANN, die jetzt geführt werden, hätte man bereits viel früher führen können und müssen.

Doch sei dem wie es wolle: .sx wird bald starten und ähnlich wie .co und .me vermarktet werden. Meine schafsmäßige Frage aber war: Warum sollte die Endung in Konkurrenz zu .xxx treten? – Ich bin nicht im Entferntestes auf das fehlende »e« gekommen, wie es ideal in einer Endung .sex repräsentiert würde. Das scheint mir kein gutes Geschäft für .sx zu werden.

UpDate
Mittlerweile hat ICANN im Rahmen des 40. Meetings .xxx zugelassen. ICM Registry, die Verwaltung von .xxx, will laut domainnamewire.com im Juni mit einer Sunrise Period für Markeninhaber starten und im Herbst die Landrush Period beginnen.


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