Die Domainbranche ein Arschloch? [UpDate 2]

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Timo Reitnauer kommt angesichts des Trubels wegen der Urbarmachung kurzer .de-Domains zu dem Ergebnis: Die Domainbranche ist ein Arschloch und verweist auf die Geldmacherei, die zahlreiche Registrare mit der Vorbestellungen höchst unwahrscheinlich registrierbarer .de-Domains praktizieren.

Das Geld fließt zwar nicht überall in die eigenen Taschen, doch wird es Normalnutzern durch die Auktionspraxis unmöglich, eine der begehrten Ein- oder Zweistelligen Domains zu erlangen.

Ist die Domainbranche damit ein Arschloch? Es lässt sich darüber streiten. Immerhin spielen viele Registrare in Deutschland das Höchstgebotsspiel nicht mit. Andere liefern tolle Angebote wie

Knipp.de
Eine Ziffer        0.de, 1.de, 9.de        € 100.000,–
Ein Buchstabe        a.de, b.de, ö.de (xn--nda)        € 50.000,–

VarioMedia
Platz        Preis bei Erfolg        Preis für Vormerkung
1         20.000,00 €         2.000,00 €
2         18.000,00 €         1.800,00 €
3         15.000,00 €         1.500,00 €

domaindiscount24
Die Preise für Vorbestellungen für die neuen .DE Domains:
– Einstellige Domains (Buchstaben oder Zahlen):
25.000 EUR / 29.750 EUR inkl. MwSt. je Domain

DomainFactory in Zusammenarbeit mit der Domainbörse Sedo, wo auf die zukünftigen Domains reichlich geboten wird.
pc.de und tv.de stehen aktuell (20.10.2009, 14:44 Uhr) bei je € 36.000,–.

Die Angebote laufen weitestgehend darauf hinaus, die Einspielergebnisse zu spenden, was sicher keine schlechte Sache ist. Aber es gilt zu bedenken: bei den Preisen kann der Normalnutzer nicht mitspielen. Der Weg zu diesen Domains ist ihm verwehrt.

Doch einer nimmt den Quantensprung (mehr ist es nicht). Möglicherweise aus der Unfähigkeit heraus, den besonderen Registrierungsweg, den DENIC eG aufzeigt, zu beschreiten, versteigert er bei eBay kurzerhand seinen Registrierungszugang für einen kurzen Zeitraum um das Registrierungsfenster am 23.10.2009, 9:00 Uhr herum:

Wir bieten Ihnen den exklusiven und ausschließlichen Zugriff auf unseren Registrierungszugang (Queue) der DENIC eG für einen Zeitraum von 5 Stunden am Freitag, 23.10.2009 ab 08:30 Uhr (Start: 9:00 Uhr) an.

– Bestimmen Sie selber und alleine welche Domains als Erstes registriert werden!

Es könnte doch sein, dass die Domainbranche, zumindest teilweise, ein Arschloch ist.

Aber, es wird sich zeigen, ob die diversen Domaininhaber später glücklich mit ihren Trophäen werden. Denn sollte die Nutzung der jeweiligen Domain die Rechte eines Dritten verletzen, und der Zweizeichenmarken sind Legion, dann wird die teure Domain noch ein teures Nachspiel mit sich bringen.

[UpDate]
Mittlerweile hat sich auch 1&1 an die Sedoa(u)ktion angeschlossen.

[UpDate 2]
Knipp hat die Preise am 21.10.2009 gesenkt. Eine Ziffer wie 0.de, 1.de, 9.de kostet nun € 30.000,–.

8 Antworten to “Die Domainbranche ein Arschloch? [UpDate 2]”

  1. Stefan Wienströer Says:

    Schade, hätte gerne eine gehabt ;-)

  2. Chosen81 Says:

    Prosite.de nimmt keine „Arschlochgebühr“, soweit ich weiss.

  3. Brian Says:

    auf Geekbench.de ist heute ein Kommentar von Key-Systems zum Thema “tv.de” aufgetaucht, welcher die Registrierung und Vergabe der Domain erläutert:
    (zu findem im mittlerweile aktualisierten Beitrag zum Thema)
    http://www.geekbench.de/2009/10/23/domain-tv-de-gehort-theoretisch-netzwelt-de-verschwand-aber-ins-ausland/

  4. Jürgen Müller Says:

    Hallo Domainspezialisten,
    habe da interessanten Fall zu dem ich mich über Meinungen freuen würde.
    Wir hatten vor 3 Jahren ein Portal für Senioren gestartet. Titel war allseits bekannte Synonym für alle Menschen über 50 „Unter HUndert“ – ebenfalls allseites gebräuchliche Abkürzung „die „UHU´s“ – steht auch in Wikipedia so als lustiger Name für „Ältere“ . Logo war so eine Eulenvogel und die Domains hießen uhuportal.de und com. Inhalte waren Computerkurse und Reisen für Senioren.
    Es kam ein Brief der Firma UHU welche die Marke UHU (Klebstoffe usw. besitzt, die wie bei solchen Dingen in sehr rüden Ton (der mich fast an Nötigung empfinden ließ) eben mit Androhung von kostenpflichtigen Abmahnungen, einstweiligen Verfügungen und hohen Schadenersatzandrohungen. Rat eines befreundeten Anwaltes: Rechtslage und Chancen nicht klar, aber leg Dich besser nicht mit so einer grossen Firma an! Ich habe also nachgegeben und alle UHUPORTAL Domains gekündigt.
    Nun kommt aber der eigentliche Hammer: Seit über einem Jahr macht ein anderer eine Seite mit unserer Ex-Domain und die Firma UHU macht offensichtlich gar nicht dagegen. Ich habe auch schon zweimal die Mitarbeiterin dieser Firma die mich damals dazu gebracht hatte meine Domains abzugeben kontaktiert -nichts passiert! Ich denke mal ich kann dies so nicht stehen lassen und muss reagieren, denn der Oberhammer ist auch noch, dass der Nachfolger der Doamin fast die gleichen Angebote veröffentlicht, wie das auf unserer Seite war: Seniorenreisen und Computertipps – das riecht doch verdächtig nach Manipulationen – vielleicht ist der Webmaster ein Bekannter der Mitarbeiter ?
    MFG Jürgen

  5. key-systems Says:

    Registrierung der neu eingeführten .de Domains
    Key-Systems bietet seit der Einführung von .info und .biz Domainnamen im Jahr 2001 Vorregistrierungen für Domainnamen mit hoher Erfolgsquote an. Auch bei der Übermittlung von Vorbestellungen von ein- und zweistelligen .de-Domainnamen sowie bei der Registrierung von Zifferndomains mit der Endung .de hat sich die Technik von Key-Systems bewährt und wir konnten für unsere Kunden zahlreiche Domainnamen mit überdurchschnittlichem Erfolg registrieren.
    Die Vergabe von Domainnamen erfolgte dabei strikt nach dem Prinzip „first come-first served“, das auch der Zuteilung durch DENIC zugrunde lag. Das bedeutet, dass die bei uns als erstes eingegangene Vorbestellung als erstes an DENIC übermittelt wurde und eine Chance auf Zuteilung hatte.
    Wie in unseren Newslettern dargestellt, bleiben registrierte .de-Domains aus dem jüngsten Launch bis zum Nachweis der Zahlung in unserem Besitz, um uns vor Zahlungsausfällen zu schützen. Da der zur Registrierung verwendete Placeholder nicht völlig den DENIC-Regularien entsprach, haben wir für unbezahlte Domains vorübergehend bis zur Übertragung an die Kunden einen Trustee-Eintrag verwendet.
    Die glücklichen Kunden wurden bereits angeschrieben, und sollten bald als Inhaber Ihrer vorbestellten Domains eingetragen werden können.

    Dieser transparente Prozess fand auch im Fall der Domain tv.de Anwendung, die nach erfolgreicher Registrierung und Rücksprache mit dem Kunden an diesen übertragen wurde.
    Wir verstehen, dass Kunden, die im Rahmen des „first come-first served“-Prinzips keine Zuteilung erhalten haben, da sie nicht an erster Stelle standen, enttäuscht sind. Allerdings können wir nicht nachvollziehen mit welch verzweifelter Vehemenz, unsachlicher Aufregung und Unverständnis ein Kunde auf das Scheitern seiner Vorbestellung reagiert. Unsere protokollierten Auftragseingänge zu der .de-Vergabe belegen klar, dass der Betreffende die Vormerkung erst bei uns abgab, nachdem bereits mehrere andere sich für die Domain vorregistriert hatten.
    Die Aussage, er habe gehört, er stünde an Listenplatz 1 ist falsch und für Key-Systems nicht nachvollziehbar. Diese Aussage wurde von Key-Systems nicht getätigt.
    Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der Kunde das Prinzip der mehrfachen Vorbestellungen nicht verstanden hatte, und davon ausging, als einziger eine gültige Vorbestellung abgegeben zu haben. Dies ist nicht der Fall.

    Mit freundlichen Grüßen
    Alexander Siffrin
    CEO Key-Systems GmbH

  6. Jürgen Müller Says:

    @ CEO Key-Systems
    Der gesamte Beitrag „Registrierung der neu eingeführten .de Domains“ erklärt doch sehr anschaulich, wie bescheuert diese Registreiungswelle geregelt war. Total pervers, dass Domain-Händler x-beliebige Regisgtrierungen durchführen können und diese dann psotwendend in der nächsten Sekunde mit einem Klick zum Verkauf anbieten können. Dass es da unkorrekte Manipulationen gab ist nun längst bekannt und wird die nächsten Wochen noch Prozess-Wellen folgen lassen.
    Man kann nur hoffen, dass diese Geldgeier zumindest die Postleitzahlen-Domains wieder abgeben müssen – oder was soll das, wenn ein Domain-Händler aus Hmaburg dank seiner Mitgliedschaft bei der Denic eine Postleitzahl aus Bayern 5 Minuten nach der Zuteilung mit x-tausend-Euro Gewinmn weiterverkaufen will – einfach nur krank diese Regularien!!!!!!!!

  7. radingeldey Says:

    Die Regelung der Domaineinführung war keineswegs bescheuert; die entsprach den Regelarien von DENIC: First come first serve ist Usus und völlig o.k. Wenn Registrare dann anbieten, die Domains für Kunden zu registrieren ist das ebenfalls in Ordnung. Das Problem entsteht aus meiner Sicht mit den Preisen, die verlangt und teilweise mit einer »Zwangsspende« verbunden wurden.

    Klar ist, dass die Registrare aufgrund des besonderen Registrierungsverfahrens, welches DENIC sich für diese Aktion hatte einfallen lassen, einigen Aufwand hatten, den sie sich vergüten lassen sollten. Was ich irritierend finde ist, dass sich einige Registrare darüber hinaus als Domainspekulanten betätigten.

    Alles in Allem scheint mir die Hysterie, die hier entstanden war, auf die von DENIC gesetzte sehr kurze Frist zurückzuführen. Und insgesamt, das habe ich ja im folgenden Eintrag dargelegt, hätte meiner Meinung nach DENIC das anders machen sollen.

    Inwieweit die neuen Inhaber glücklich mit den Domains werden, und ob die Domains überhaupt so wertvoll sind, wird man sehen.

  8. radingeldey Says:

    @Jürgen Müller: spezialisierte Domainrecht-Anwälte findet man unter http://domain-anwalt.de

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