Ein Blick auf die .de-Domainhysterie

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Die .de-Hysterie, die seit einer Woche, nachdem DENIC die Vergabe der kurzen .de-Domains bekannt gegeben hat, grassiert, gibt weiter Anlass zu Kommentaren.

Man fragt sich, wer der Buhmann ist. Doch lässt sich der schwarze Peter niemanden allein zuschreiben. Man könnte sich auch fragen, ob es vielleicht ein blonder Peter ist, denn grundsätzlich ist die von DENIC zwangslancierte Freigabe kurzer .de-Domains eine gute Sache. Allerdings überrumpelte DENIC mit seiner kurzen Terminierung die Domainbranche. Hier hätte man besonnener agieren können, indem man einen Zeitraum von einem oder zwei Monaten ansetzte, statt 1 Woche. Gleichwohl hätte man damit die Versteigerungsauswüchse, die wir jetzt beobachten, wohl nicht verhindert. Das wäre alleine über ein Verfahren unmittelbar durch DENIC, etwa eine Verlosung der Domains möglich gewesen. Eine Verlosung, die rechtliche Risiken zukünftiger Domaininhaber allerdings nicht ausgeschlossen, sondern wohl eher verschärft hätte.

Daß Registrare mit ihren Angeboten teilweise ein schlechtes Licht auf die Branche werfen ist bedenklich, lässt sich wohl aber leider nicht verhindern. Dabei stellt sich dem Beobachter in der Regeln nicht einmal die Frage, ob die Aktionen legitim und eigentlich in Ordnung sind: Domains werden teilweise zu hohen Preise gehandelt und das zu Recht. Doch wahrgenommen werden die hohen Preise, die den Eindruck von Geldgier vermitteln und der meinungsbildend ist. Gutes Licht erzeugen wollen viele Registrare über Spenden, die aus dem Verkauf der kurzen .de-Domains gezogen werden sollen. Man fragt sich allerdings: Warum? Registrare sind Wirtschaftunternehmen, sie liefern eine Wertschöpfung indem sie ihre Dienstleistung erbringen. Warum sollten Unternehmen in so einer Situation die Einnahmen spenden? Fehlt da ein gewissen Selbstbewusstsein für das eigene wirtschaftliche Handeln? Und warum sollten sie ihre Kunden, wie es bei heise.de heißt, zu einer Spende nötigen?

Und wo € 30.000,- und deutlich mehr für eine einstellige oder zweistellige .de-Domain verlangt und geboten werden, da gibt es in der Tat Interessenten, die bereit sind, solche Preise zu zahlen. Der Markt ist vorhanden und auf diesen Markt reagieren die Registrare. Im Grunde ist das auch Teil der Wertschöpfungskette: Der Domaininhaber ist derjenige, der aus der Domain etwas macht – oder machen könnte. Doch Domainspekulanten sind in der Regel gar nicht an der Entwicklung einer Domain interessiert, selbst in Zeiten, in denen das Pay Per Click-Geschäft alles andere als rosig aussieht und Minisites gerade ihre geringe Verwertbarkeit zeigen. Der eigentliche Endnutzer wird jedoch kaum an seine Domain kommen; außer zahlungskräftige Wirtschaftsunternehmen oder Kennzeichnungsrechteinhaber, deren jeweils geschützte Zeichen aufgrund der Nutzung der kurzen Domain verletzt werden. Auch die Anwaltschaft wird ihren Teil des Domainkuchens erhalten.

Das alles ist nicht schön anzusehen. Aber wie hätte ein besseres Szenario für die .de-Kurzdomainvergabe ausfallen können? Die aufwändige Variante: wie andere Registries gezeigt haben, kann man zukünftige Domaininhaber sich um die Wunschdomain bewerben lassen, indem sie innerhalb einer Frist ein Konzept für die zukünftige Nutzung der Wunschdomain vorlegen. Die Auswahlkriterien für dieses Verfahren, insbesondere bei Mehrfachbewerbungen auf einzelne Domains wäre zu erarbeiten gewesen, ein Auswahlgremium hätte gebildet werden können. Die den Zuschlag erhalten verpflichteten sich innerhalb einer Frist, das Projekt auf die Beine zu stellen. Wer die Frist versäumte, hätte die Domain wieder abzugeben. – Aufwändig, zugegeben, aber machbar; und wahrscheinlich ansehnlicher als das, was wir im Moment beobachten.

Nun wollen wir freilich ersteinmal schauen, ob es tatsächlich am morgigen Freitag zu einer Registrierung der Domains kommt. Man weiß nie, was sich die Harpyien der Domainbranche alles ausdenken.


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