Werktitelschutz – Das Domain-Dilemma

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Bei der allwöchentlichen Freitagslektüre des Titelschutz-Journals treffe ich immer wieder auf Titelschutzanzeigen, die sich auf Domains beziehen. Etwa

Unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 MarkenG (Deutschland) sowie § 80 UrhG, § 9 UWG (Österreich) nehmen wir Titelschutz in Anspruch für:

http://www.unregistrierte-domain.de

in allen Schreibweisen, Darstellungsformen.

Bei Überprüfung der Domain fällt dann auf: Sie ist nicht konnektiert. Man erreicht sie nicht. Schaut man dann bei DENIC in das Whois-Verzeichnis, findet man nichts, weil die Domain tatsächlich nicht registriert ist.

In den vergangenen Jahren war noch jede Domain, für die im Titelschutz Journal Werktitelschutz in Anspruch genommen wurde, nicht registriert. Es ist jede, spätestens jede zweite Woche das gleiche Spiel.

Anmelder sind in der Regel Privatpersonen, Vereine und GbRs. Rechtsanwälte sind mir da – soweit ich mich erinnere – noch nicht begegnet. Ich schließe daraus, dass Menschen eine höhere Schwelle zu überschreiten haben, eine Domain für zwischen € 10,– und € 15,– jährlich zu registrieren, als eine Anzeige für wahrscheinlich zwischen € 100,– und € 150,– zu schalten. Ihnen fällt es also leichter, das zehnfache der Registrierungskosten einer Domain für einen rund sechsmonatigen Schutz auszugeben, als die Domain selbst zu registrieren, die sie dann bis an ihr seliges Ende nutzen könnten (soweit sie lustig sind und auch weiter die Registrierungskosten bezahlen). Zugleich gehen sie das Risiko ein, dass ein Schlaumeier genau die Wunschdomain wegschnappt, die man dann gegebenenfalls sehr kostenintensiv und aufwändig herausfordern muss. Und dabei ist der Erfolg nicht einmal garantiert – trotz öffentlich beanspruchten Werktitelschutzes.

Ich schließe weiter daraus, dass Anmelder in der Regel Privatpersonen, Vereine und GbRs sind: diejenigen, die sich professionellen Rechtsrat zur Domain-Registrierung einholen, verfallen nicht auf so einen Quatsch. Gute Arbeit, liebe Kollegen. Es spart Zeit und Geld.

Wer zukünftig in Erwägung zieht, für eine Domain, die er gerne registrieren möchte, erst eine Werktitelschutzanzeige zu schalten: Lassen Sie’s. Gleich die Domain registrieren (soweit sie nicht die Rechte Dritter verletzt), und am besten gleich Inhalte einstellen, die das Projekt beschreiben, welches unter der Domain entstehen soll.

Einen Gedanken habe ich bei diesen dusseligen Werktitelschutzanzeigen immer im Hinterkopf: vielleicht ist das eine schlaue Abmahnmasche eines Kollegen. Mit der werktitelrechtlich beanspruchten, nicht registrierten Domain, könnte man ja einen Domain-Grabber abmahnen, sollte er die noch nicht registrierte Domain tatsächlich grabben. Aber der Gedanke ist bei Lichte betrachtet doch sehr—sehr abstrus. Nein, so ist es sicher nicht.

Eine Antwort to “Werktitelschutz – Das Domain-Dilemma”

  1. Piet Says:

    Interessante Idee, ein Schelm, wer …

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