Archive for the ‘ccTLDs’ Category

neue Domain-Endungen: .sx vs. .xxx

18. März 2011

Manchmal ist man auch einfach nur ein Schaf.

IANA hat vor kurzem die neue country Code Top Level Domain (ccTLD) .sx – für Sint Maarten (Dutch part) – installiert. Nun hat openregistry.com den Zuschlag als Domain-Verwaltung erhalten und kündigt an, man werde voraussichtlich Adult Content eine Plattform geben. Womit .sx in Konkurrenz zur noch immer nicht von ICANN verabschiedeten Adult Endung .xxx träte.

Den Vorteil, den .sx hat ist, man ist eine Länderendung und muss sich keine Erlaubnis bei ICANN holen. Nach Eintrag in die Rootserver kann .sx eigentlich gleich loslegen: mit einer Sunrise Period und einer Landrush Period. Das wird innerhalb der kommenden sechs Monate über die Bühne gehen können.

Derweil ist immer noch unklar, was aus .xxx wird. Zur Zeit findet das 40. ICANN-Meeting statt. Die Adult Industry, das heißt ca. 25 Adult Webmaster protestieren gegen die Einführung von .xxx. Man rechnet damit, dass der gesamte Adult-Bereich unter diese Endung abgeschoben werden könnte, wo man sich jetzt unter allen Endungen verbreitet hat.

Zudem vermutet Domainer Andrew Alleman, dass mit einer weiteren Verzögerung der Einführung von .xxx der gesamte Ablauf der Einführung neuer generischer Top Level Domains (nTLDs) ins Stocken gerät. Letzteres wollen wir nicht hoffen. Es dauert schon viel zu lange mit der Einführung und die Gespräche zwischen GAC und ICANN, die jetzt geführt werden, hätte man bereits viel früher führen können und müssen.

Doch sei dem wie es wolle: .sx wird bald starten und ähnlich wie .co und .me vermarktet werden. Meine schafsmäßige Frage aber war: Warum sollte die Endung in Konkurrenz zu .xxx treten? – Ich bin nicht im Entferntestes auf das fehlende »e« gekommen, wie es ideal in einer Endung .sex repräsentiert würde. Das scheint mir kein gutes Geschäft für .sx zu werden.

UpDate
Mittlerweile hat ICANN im Rahmen des 40. Meetings .xxx zugelassen. ICM Registry, die Verwaltung von .xxx, will laut domainnamewire.com im Juni mit einer Sunrise Period für Markeninhaber starten und im Herbst die Landrush Period beginnen.

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br.de unterm Hammer

16. Februar 2010

Die Vergabe kurzer Domain-Namen unter .de, die im Oktober 2009 Seitens der Domainverwaltung DENIC freigegeben wurden, hat ein kleines positives Nachspiel:

DENIC, die deutsche Domainverwaltung, gab heute Abend in einer Pressemitteilung bekannt, dass die aufgrund einer gegen DENIC ergangenen einstweiligen Verfügung im Oktober 2009 nicht freigegebene Zweizeichendomain br.de nun am 18. Februar 2010 um 15:00 Uhr MEZ zur Registrierung freigegeben wird.

Der Widerspruch DENICs gegen die einstweilige Verfügung, die seinerzeit die Freigabe dieser Domain verhinderte, war erfolgreich.

Die Vergabe am 18.02.2010 erfolgt per Fax über die eigens für diesen Zweck eingerichtete Sonderrufnummer +49 69 24246982. Wörtlich heisst es in der Pressmitteilung weiter:

Die Domain wird dem Antragsteller zugesprochen, dessen korrekt ausgefüllter und unterschriebener Antrag per Fax als erster nach dem Stichzeitpunkt 15:00 Uhr (MEZ) – synchronisiert mit dem Zeitserver von DENIC (ntp1.denic.de) – vollständig eingeht (first come, first served)

42.de

29. Oktober 2009

Die im Zuge der Einführung von Ein- und Zweizeichen- sowie reiner Zahlendomains der DENIC am 23.10.2009 erste registrierte Zahlendomain war:

42.de

Damit haben wir bereits die Antwort auf alle Unklarheiten der Vergabeaktion.

Und der die Domain registriert hat wusste definitiv, wo er sein Handtuch hat.

Ende Vergabe am morgigen Freitag

22. Oktober 2009

Von kanzlei.de bekam ich folgende aktuelle Pressemitteilung:

Einstellige Domains: Einstweilige Verfügung gegen DENIC

Die Kanzlei e | s | b hat mit Blick auf den Beginn des morgigen DE-Registrierungsverfahrens (vgl. Kanzlei.de-News vom 16.10.2009) für ihren Mandanten, Inhaber der Einbuchstabenmarken E, F, G und X, Y, Z, am 21.10.2009 eine einstweilige Verfügung gegen die DENIC eG erwirkt. Hierin untersagt das Landgericht Frankfurt (Az. 2-06 O 515/09) der DENIC eG bei Meidung der üblichen Ordnungsmittel (Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft, oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten, zu vollstrecken an ihrem Vorstand), die Domains „e.de“, „f.de“, „g.de“, „x.de“, „y.de“, „z.de“ bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt in Sachen 11 U 36/09 für Dritte als Domaininhaber zu registrieren.

Das scheint zunächsteinmal das Aus für die Vergabe kurzer .de-Domains.

Wir werden sehen, was in den kommenden Tagen weiter passiert.

Ein Blick auf die .de-Domainhysterie

22. Oktober 2009

Die .de-Hysterie, die seit einer Woche, nachdem DENIC die Vergabe der kurzen .de-Domains bekannt gegeben hat, grassiert, gibt weiter Anlass zu Kommentaren.

Man fragt sich, wer der Buhmann ist. Doch lässt sich der schwarze Peter niemanden allein zuschreiben. Man könnte sich auch fragen, ob es vielleicht ein blonder Peter ist, denn grundsätzlich ist die von DENIC zwangslancierte Freigabe kurzer .de-Domains eine gute Sache. Allerdings überrumpelte DENIC mit seiner kurzen Terminierung die Domainbranche. Hier hätte man besonnener agieren können, indem man einen Zeitraum von einem oder zwei Monaten ansetzte, statt 1 Woche. Gleichwohl hätte man damit die Versteigerungsauswüchse, die wir jetzt beobachten, wohl nicht verhindert. Das wäre alleine über ein Verfahren unmittelbar durch DENIC, etwa eine Verlosung der Domains möglich gewesen. Eine Verlosung, die rechtliche Risiken zukünftiger Domaininhaber allerdings nicht ausgeschlossen, sondern wohl eher verschärft hätte.

Daß Registrare mit ihren Angeboten teilweise ein schlechtes Licht auf die Branche werfen ist bedenklich, lässt sich wohl aber leider nicht verhindern. Dabei stellt sich dem Beobachter in der Regeln nicht einmal die Frage, ob die Aktionen legitim und eigentlich in Ordnung sind: Domains werden teilweise zu hohen Preise gehandelt und das zu Recht. Doch wahrgenommen werden die hohen Preise, die den Eindruck von Geldgier vermitteln und der meinungsbildend ist. Gutes Licht erzeugen wollen viele Registrare über Spenden, die aus dem Verkauf der kurzen .de-Domains gezogen werden sollen. Man fragt sich allerdings: Warum? Registrare sind Wirtschaftunternehmen, sie liefern eine Wertschöpfung indem sie ihre Dienstleistung erbringen. Warum sollten Unternehmen in so einer Situation die Einnahmen spenden? Fehlt da ein gewissen Selbstbewusstsein für das eigene wirtschaftliche Handeln? Und warum sollten sie ihre Kunden, wie es bei heise.de heißt, zu einer Spende nötigen?

Und wo € 30.000,- und deutlich mehr für eine einstellige oder zweistellige .de-Domain verlangt und geboten werden, da gibt es in der Tat Interessenten, die bereit sind, solche Preise zu zahlen. Der Markt ist vorhanden und auf diesen Markt reagieren die Registrare. Im Grunde ist das auch Teil der Wertschöpfungskette: Der Domaininhaber ist derjenige, der aus der Domain etwas macht – oder machen könnte. Doch Domainspekulanten sind in der Regel gar nicht an der Entwicklung einer Domain interessiert, selbst in Zeiten, in denen das Pay Per Click-Geschäft alles andere als rosig aussieht und Minisites gerade ihre geringe Verwertbarkeit zeigen. Der eigentliche Endnutzer wird jedoch kaum an seine Domain kommen; außer zahlungskräftige Wirtschaftsunternehmen oder Kennzeichnungsrechteinhaber, deren jeweils geschützte Zeichen aufgrund der Nutzung der kurzen Domain verletzt werden. Auch die Anwaltschaft wird ihren Teil des Domainkuchens erhalten.

Das alles ist nicht schön anzusehen. Aber wie hätte ein besseres Szenario für die .de-Kurzdomainvergabe ausfallen können? Die aufwändige Variante: wie andere Registries gezeigt haben, kann man zukünftige Domaininhaber sich um die Wunschdomain bewerben lassen, indem sie innerhalb einer Frist ein Konzept für die zukünftige Nutzung der Wunschdomain vorlegen. Die Auswahlkriterien für dieses Verfahren, insbesondere bei Mehrfachbewerbungen auf einzelne Domains wäre zu erarbeiten gewesen, ein Auswahlgremium hätte gebildet werden können. Die den Zuschlag erhalten verpflichteten sich innerhalb einer Frist, das Projekt auf die Beine zu stellen. Wer die Frist versäumte, hätte die Domain wieder abzugeben. – Aufwändig, zugegeben, aber machbar; und wahrscheinlich ansehnlicher als das, was wir im Moment beobachten.

Nun wollen wir freilich ersteinmal schauen, ob es tatsächlich am morgigen Freitag zu einer Registrierung der Domains kommt. Man weiß nie, was sich die Harpyien der Domainbranche alles ausdenken.

Die Domainbranche ein Arschloch? [UpDate 2]

20. Oktober 2009

Timo Reitnauer kommt angesichts des Trubels wegen der Urbarmachung kurzer .de-Domains zu dem Ergebnis: Die Domainbranche ist ein Arschloch und verweist auf die Geldmacherei, die zahlreiche Registrare mit der Vorbestellungen höchst unwahrscheinlich registrierbarer .de-Domains praktizieren.

Das Geld fließt zwar nicht überall in die eigenen Taschen, doch wird es Normalnutzern durch die Auktionspraxis unmöglich, eine der begehrten Ein- oder Zweistelligen Domains zu erlangen.

Ist die Domainbranche damit ein Arschloch? Es lässt sich darüber streiten. Immerhin spielen viele Registrare in Deutschland das Höchstgebotsspiel nicht mit. Andere liefern tolle Angebote wie

Knipp.de
Eine Ziffer        0.de, 1.de, 9.de        € 100.000,–
Ein Buchstabe        a.de, b.de, ö.de (xn--nda)        € 50.000,–

VarioMedia
Platz        Preis bei Erfolg        Preis für Vormerkung
1         20.000,00 €         2.000,00 €
2         18.000,00 €         1.800,00 €
3         15.000,00 €         1.500,00 €

domaindiscount24
Die Preise für Vorbestellungen für die neuen .DE Domains:
– Einstellige Domains (Buchstaben oder Zahlen):
25.000 EUR / 29.750 EUR inkl. MwSt. je Domain

DomainFactory in Zusammenarbeit mit der Domainbörse Sedo, wo auf die zukünftigen Domains reichlich geboten wird.
pc.de und tv.de stehen aktuell (20.10.2009, 14:44 Uhr) bei je € 36.000,–.

Die Angebote laufen weitestgehend darauf hinaus, die Einspielergebnisse zu spenden, was sicher keine schlechte Sache ist. Aber es gilt zu bedenken: bei den Preisen kann der Normalnutzer nicht mitspielen. Der Weg zu diesen Domains ist ihm verwehrt.

Doch einer nimmt den Quantensprung (mehr ist es nicht). Möglicherweise aus der Unfähigkeit heraus, den besonderen Registrierungsweg, den DENIC eG aufzeigt, zu beschreiten, versteigert er bei eBay kurzerhand seinen Registrierungszugang für einen kurzen Zeitraum um das Registrierungsfenster am 23.10.2009, 9:00 Uhr herum:

Wir bieten Ihnen den exklusiven und ausschließlichen Zugriff auf unseren Registrierungszugang (Queue) der DENIC eG für einen Zeitraum von 5 Stunden am Freitag, 23.10.2009 ab 08:30 Uhr (Start: 9:00 Uhr) an.

– Bestimmen Sie selber und alleine welche Domains als Erstes registriert werden!

Es könnte doch sein, dass die Domainbranche, zumindest teilweise, ein Arschloch ist.

Aber, es wird sich zeigen, ob die diversen Domaininhaber später glücklich mit ihren Trophäen werden. Denn sollte die Nutzung der jeweiligen Domain die Rechte eines Dritten verletzen, und der Zweizeichenmarken sind Legion, dann wird die teure Domain noch ein teures Nachspiel mit sich bringen.

[UpDate]
Mittlerweile hat sich auch 1&1 an die Sedoa(u)ktion angeschlossen.

[UpDate 2]
Knipp hat die Preise am 21.10.2009 gesenkt. Eine Ziffer wie 0.de, 1.de, 9.de kostet nun € 30.000,–.

Unter welcher TLD Domains registrieren?

12. Oktober 2009

Die Frage der Domain-Wahl hatte ich vor längerem bereits im Hinblick auf den Firmenname oder das Firmenschlagwort gestellt und später darauf erweitert, ob bei Unternehmensgründung nicht der Name sich aus der Domain ergeben könnte. Der Domainname wäre demnach weitestgehend geklärt – Spezialfragen, die individuell zu beantworten sind, bleiben immer. Nun fragt sich, welche Endung für die gewählt Domain opportun ist.

Die Frage nach der Domainendung richtet sich an zwei Kriterien aus:

— Mein Waren- und Dienstleistungs-Zielmarkt

— Verfügbarkeit der (gewünschten) Endung

Mein Markt
Die Domainendung, unter der man sein Angebot auf dem Markt präsentiert, richtet sich nach dem Markt. Sinnvollerweise spricht man den deutschsprachigen Markt unter den country code Top Level Domains .de, .at, und .ch an, wenn man seinen Sitz in Deutschland hat und diesen Markt bedienen will.

Ein Angebot, welches eine besonderere Form darstellt, lässt sich gegebenenfalls aber auch unter einer speziellen Endung präsentieren. Für Filmangebote bietet sich die als TV-Endung vermarktete .tv, Landesendung von Tuvalu, an; für Anbieter von Internetradio lässt sich die ebenfalls gesondert vermarktete Endung .fm, Landesendung von Mikronesien, nutzbar machen. Bekannte Beispiele für diese Genre sind giga.tv, arte.tv, last.fm und motor.fm.

Es gibt jedoch nicht nur traditionelle Länderendungen, die speziell vermarktet werden, sondern mittlerweile auch gezielt eingerichtete Endungen. So bietet sich für die Vermittlung von Job-Angeboten die Endung .jobs an; deutlich älter auf dem Markt ist .aero für alle Unternehmungen und Angebote, die sich auf die Flugindustrie kaprizieren. – Doch bergen diese besonderen Endungen das Risiko, dass sie am breiteren Markt vorbeigehen. Denn die seit vielen Jahren eingerichtete Endung .aero ist tatsächlich nur Kennern bekannt. Die nicht so alte Endung .job findet auch noch nicht die Resonanz, die ihr gebührt. Aus diesem Grunde wird man nicht umhinkommen, auf die bekannten Endungen ebenfalls zurückzugreifen. Dabei stellt sich wie so oft und bereits angesprochen das Problem der Verfügbarkeit:

Die Verfügbarkeit
Die bekanntesten und beliebtesten Domainendungen sind grundsätzlich die, unter denen man selbst sein Angebot präsentieren will. Maßgebend sind die generische Endung .com und die deutschsprachigen Endungen .de, .at, .ch, je nach dem wo man seinen Sitz hat oder welche Märkte (s. o.) man bedienen will.

Nicht immer wird die gewünschte Domain unter den erstrebenswerten Endungen zu haben sein. Es bestehen freilich Alternativen, wenn die Kernendungen nicht mehr verfügbar sind. Gerade deshalb sind Endungen wie .info und .biz eingeführt worden; aber auch die ersten generischen Endungen .org und .net stehen als Option bereit, zumal diese eher Eingang in das Nutzerwissen gefunden haben und unter diesen die Auffindbarkeit des eigenen Angebots deutlich besser ist als unter Exotenendungen.

Doch mit dem Umstand der nicht gegebenen Verfügbarkeit erhöht sich das Risiko einer Rechtsverletzung. Wählt man eine Ausweichendung, weil unter .com und .de die gewünschte Domain bereits vergeben ist, muss man verschärft etwaige Rechtsverletzungen prüfen. Die Gerichte sind sich weitestgehend einig, dass die Domainendung kein unterscheidungsfähiges Kriterium ist; dafür bürgen Entscheidungen wie steiff.com und bad-wildbad.com. Nur unter bestimmten Bedingungen entscheiden Gerichte unter Einbeziehung der konkreten Domainendung anders, so beispielsweise im Fall tipp.ag, bei dem das hOLG Hamburg meinte, die GmbH, die unter der Domain tipp.ag auftrete, täusche die von ihr angesprochenen Interessenten über ihre Rechtsform. Schließlich deutete der Bundesgerichtshof in seiner Enscheidung solingen.info an, dass es keine Rechtsverletzung angenommen hätte, wenn es um die Domain solingen.biz oder solingen.pro gegangen wäre, aber unter .info erwarte der Nutzer Informationen von der Stadt Solingen und nicht von einem Dritten über die Stadt Solingen.

Resümee
Die Frage nach der richtigen Domainendung für die eigene Internetpräsenz unterliegt also dem Markt, auf dem man sich begeben will, und der Verfügbarkeit der Domain unter der marktgerechten Domainendung. Mögliche Rechtsverletzungen sind immer vor Domainregistrierung zu prüfen.

Sabine Dolderer im Gespräch mit Rick Latona

22. Juli 2009

Rick Latona, ein US-amerikanscher Domainer, der in den vergangenen Jahren eine Domainhandelsbörse aufgebaut hat, ist stark ccTLD-affin. Vergangene Woche Sprach er mit AFNIC, der französischen Verwaltung für .fr. In dieser Woche veröffentlichte er ein Interview mit Sabine Dolderer, CEO von DENIC eG, der deutschen Domainverwaltung. Im Gespräch kommt Rick Latona auf die Admin-C Regelung. Sabine Dolderer gibt hier nochmals klar Auskunft, dass die Admin-C Regelung sich an der Regelung des Markenrechts orientiert:

RL – It is my understanding that non-German companies and individuals can register .de names but they must appoint a German or someone in Germany to be the administrative contact. Can you share the reasoning behind this policy?

Sabine Dolderer – This rule is directly copied from a similar rule from the German trademark law. The reason is that if trademark or other problems arise a point of contact in Germany exists where third parties – which also are very often in Germany – can go to.

Bei analogen Markenrechtsstreitigkeiten kommt niemand auf den Gedanken, den »Admin-C« der Markeneintragung abzumahnen und als Mitstörer zu verklagen. Warum ist es für Juristen so schwer zu begreifen, dass der Admin-C einer .de-Domain schlichtweg nicht haftbar zu machen ist, genausowenig wie der Anwalt, der für seinen Mandanten eine Marke beim DPMA anmeldet? – Würden Markenanwälte, die für ihre Mandantschaft Marken anmelden, das Risiko der Abmahnung tragen, sähe es auf dem Feld jedenfalls ganz anders aus. Es wird Zeit für ein Umdenken. Auch bei den Gerichten, die relativ Admin-C freundliche Entscheidungen treffen. Der Admin-C ist nicht derjenige welcher, es ist der Domain-Inhaber – wie wir das für den Markeninhaber ganz selbstverständlich und ohne das in Zweifel zu ziehen annehmen; und dabei den als Kontakt im Markenverzeichnis angegebenen Anwalt außer Acht lassen.

LG Frankfurt/M zu Einzeichen.de-Domains

16. Juni 2009

Wieder einmal war Denic erfolgreich beim Streit über eine sehr kurze .de-Domain. Der Kläger, der »X.de« für sich registriert haben wollte, scheiterte vor dem Landgericht Frankfurt/M (Urteil vom 20.05.2009, Az.: 2-6 O 671/08). Der Kollege RA Bücking hatte mich bereits auf die Entscheidung aufmerksam gemacht. Nun teilt Kollege Welzel von Denic e.G. den Link zum kompletten Urteil mit.


Der Kläger ist Inhaber der Wortmarken »E«, »F«, »G«, »X«, »Y« und »Z« und beantragte sechs entsprechende .de-Domains, deren Registrierung Denic unter Berufung auf ihre Vergaberichtlinien ablehnte, da es sich um Einzeichendomains handelte. Der Kläger klagte hier hinsichtlich der Domain »X.de« und berief sich auf die marktbeherrschende Stellung der Denic, dass der als Domain zu registrierende Buchstabe von der »Intemetgemeinde« als angesprochenem Verkehrskreis mit Erwachsenenunterhaltung assoziiert werde und er nicht für ein Auto-Kennzeichen zurückgehalten werden müsse, da der Buchstabe „X“ für NATO-Fahrzeuge vorgesehen sei. Denic beantragte Klageabweisung.

Das LG Frankfurt wies die Klage zurück. Wie bisher immer in diesen Entscheidungen verhandelte das Gericht §§ 20 Abs. 1 und 33 Abs. 3 GWB. Dabei konnte das Landgericht auf die Rechtsprechung des OLG Frankfurt/M zu »vw.de« Bezug nehmen: Denic ist Normadressatin des GWB, sie hat die marktbeherrschende Stellung im Sinne von § 19 Abs. 2 Nr. 1 GWB (was Denic bekanntlich anders sieht). Der Kläger ist Unternehmer im Sinne des GWB. Doch sah das Gericht hier keine Ungleichbehandlung des Klägers durch die Beklagte. Es fehlte unter anderem an Ausführungen zu irgendwelchen Mitbewerbern, die durch die Praxis und Richtlinien der Denic Vorteile genössen. Die Gründe, weshalb Denic einstellige Buchstabenkombinationen nicht vergibt, seien erst bei der Frage des sachlichen Grundes bzw. der Interessenabwägung zu berücksichtigen, meint das Gericht, und erklärt, eine etwaige Ungleichbehandlung sei gerechtfertigt.

Das LG Frankfurt/M sieht eine Rechtfertigung in den Domainrichtlinien von Denic. Diese decken auch die Domains »X.de« und »Y.de«, selbst wenn diese keinem Kfz-Zulassungsbezirk entsprechen, denn sie entsprechen den Kfz-Kennzeichen internationaler militärischer Dienststellen. Würden diese Domain diesen Dienststellen zur Nutzung einmal seitens Denic angeboten, so würden Nutzer unter diesen Domains die Dienststellen auch suchen. – Weiter differenziert das Gericht den unterschiedlichen Sachverhalt der »vw.de«-Entscheidung: Der VW-Konzern bestehe bereits viel länger als das Internet und die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer VW unter dieser Domain suchten sei viel höher, als dass bei dem noch in Planung befindlichen Angebot des Klägers der Fall ist. Zudem stehen dem Kläger andere Domains zu Gebote, die die Erwachsenenunterhaltung besser repräsentieren.

Wieder eine nachvollziehbare und vernünftige Entscheidung zur Frage, ob ein- oder zweistellige .de-Domains gefordert werden können oder nicht. Dass es über kurz oder lang zu einer (weiteren Entscheidung gegen die Denic-Position kommen wird, ist absehbar und dann sicher wohlbegründet. – Wie im Streit über »vw.de« in letzter Instanz entschieden wird, steht noch aus.

LG Stuttgart und die Admin-C-Haftung

12. Februar 2009

Es hat sich gezeigt, dass der Sachverhalt, der der Entscheidung des LG Stuttgart (Urteil vom 27.01.2009, Az.: 41 O 101/08 KfH) zugrunde liegt etwas komplexer ist, als dem Urteil zu entnehmen.

Der Admin-C wechselte mehrfach, um der Abmahnung zu entgehen. Schließlich war aber der Erstabgemahnte wieder als Admin-C eingetragen.

Zudem scheint das Gericht in der mündlichen Verhandlung sich tatsächlich mit dem Urteil des OLG Köln (Urteil vom 15.08.2008, Az.: 6 U 51/08) auseinander gesetzt zu haben.

Dass sich dies alles nicht in den Urteilsgründen wiederfindet, macht die Entscheidung unbrauchbar für die weitere Nutzung bei der Diskussion um die Haftung des Admin-C.

Kollege Stadler nimmt in einem Blogeintrag nicht nur zur Entscheidung aus Stuttgart Stellung, sondern auch zu einem wenig durchdachten Kommentar, in dem nach meiner Auffassung – wie in der Entscheidung des LG Stuttgart – die Haftungsfragen nicht differenziert behandelt werden. Aber dazu, wie gesagt, die lesens- und bedenkenswerte Anmerkung von Herrn Kollegen Stadler.