Archive for the ‘ICANN’ Category

Waterstone’s wird Waterstones

13. Januar 2012

Zeitgleich mit dem Start der Bewerbungsphase um New gTLDs am gestrigen Donnerstag, verkündet der Buchhandelskonzern Waterstone’s, er werde von jetzt an ohne Apostroph geschrieben: also Waterstones. Grund hierfür sei, dass es Internet freundlicher sei ohne das Zeichen, welches nicht ohne weiteres in die Adresszeile des Internetseitenbetrachters passt.

Laut Daily Mail online regen sich einige Briten über die Sprach-/Schreibverhunzung auf; ähnlich wie wir uns über den Apostrophenschwachsinn in Deutschland (Sandra’s Nagelstudio, Harald’s Curry’s Treff’s?).

Aber es ist unleugbar internetfreundlicher ohne den Apostroph. Und ich werde mich wundern, wenn wir Anfang kommenden Jahres keine Bücher und eBücher unter .waterstones ordern können.

ICANN funktioniert nicht? – Irrtum

13. Dezember 2011

Was ist eigentlich mit ICANN? Geht das noch. Macht da noch jemand irgendwas. Oder ist es wirklich nur der exklusivste Reiseclub auf Erden?

Patrick Thibodeau erklärt in seinem Blog auf Computerworld, warum ICANN – angeblich – nicht mehr funktioniert und gibt folgenden Vergleich zum Besten:

»ICANN holds three large international, week-long meetings a year at locations all over the globe. This year it met in Dakar, Singapore and San Francisco; in 2010, it was Cartagena, Brussels, and Nairobi.

By contrast, the United Nations somehow manages to get by on one large meeting a year for its climate change conference. Imagine that.«

Damit verkennt er die Sachlage, denn was hat der Klimagipfel bisher bewegt? – Soweit ich sehe: NIX.

ICANN hingegen verändert seit seiner Entstehung das Internet und damit die Welt. Die größte und wichtigste Veränderung ist sicher die Einführung internationalisierter Domainnamen und Domainendungen. Durch den Fall der Sprach- und Zeichenbarriere wird der Zugriff auf das Internet einem weit größerem Publikum möglich, das weit mehr Einfluss gewinnt, als die Großkopferten, die beim Klimagipfel sitzen und sich auf Minimalkonsense einigen, die dann doch nicht eingehalten werden. Gegenüber den internationalisierten Domains und Domainendungen ist die Einführung der neuen generischen Top Level Domains von geringerem Gewicht – aber die wird es auch internationalisiert geben. Man muss mit diesen Veränderungen nicht einverstanden sein, sie finden aber statt und wirken sich aus (im Gegensatz zum Klimagipfel).

.xxx wirklich schon am Start?

21. März 2011

Kaum hat ICANN im Laufe des 40. Meetings am Freitag, den 18.03.2011 sein – erneutes – OK für die Endung .xxx gegeben, überschlagen sich die Meldungen und Meinungen. Allein auf Circleid.com, einem der wichtigsten Branchen-Informationsseiten, die sich mit der Internet-Infrastruktur befasst, erschienen drei Artikel:

John Levine, der bei der Sitzung beim ICANN-Meeting in San Francisco dabei war und Sympathien nach allen Seiten und Argumenten bekundet, kommt zu dem Schluss, dass ICANNs Aufgabe ist, im Sinne der Allgemeinheit zu handeln. Dass die Endung .xxx, aber auch zahlreiche andere Endungen im Sinne allgemeiner Interessen seien und nicht lediglich im pekuniären Interesse der Initiatoren und späteren Betreiber der Endungen, sieht er nicht und lehnt damit die ICANN-Entscheidung ab. Mit dieser Argumentation lässt sich aber jede zukünftige Endung ablehnen. Denn ob sie im allgemeinen Interesse der Internetnutzer liegen, lässt sich im Vorhinein nicht sagen, sondern erst, wenn sie tatsächlich online ist und man die konkrete Reaktion der Nutzer feststellen kann.

Naseem Javed erlaubt sich eine zeitverschobene Stellungnahme, indem seinem Artikel vom 08. Juni 2005 nun nochmals online stellt. Der Artikel wurde obsolet, weil ICANN die Freigabe der Endung .xxx seinerzeit wegen massiver Kritik zurückzog, um die Endung nochmals zu überprüfen. Der Artikel ist nicht ganz ohne Aktualität, doch die Thesen sind in den vergangenen knapp sechs Jahren oft genug durchgekaut worden: absehbare Folgen und vermutliche Konsequenzen der Einführung von .xxx könnten sein: Abgrenzung und Polarisierung sind das eine, Geldmacherei das andere, denn nach wie vor wird im Bereich Erwachsenenunterhaltung im Internet am leichtesten Geld verdient (heute ist es vielleicht aber doch die Versicherungsbranche). Weiter ergibt sich die Möglichkeit für zum Beispiel Suchmaschinenbetreiber und Portale, den Zugriff auf .xxx-Seiten zu unterbinden. Schließlich ergeben sich über die Vermarktung der Erwachsenenindustrie hinaus auch Möglichkeiten Dritter, mit der Endung Geld zu machen: etwa durch Cybersquatting und den sich ergebenden Kennzeichenrechtsstreiten. Doch stellen sich über kurz oder lang drei Fragen: Müssen sich Erwachsenen-Angebote aus dem restlichen Netz zurückziehen und unter .xxx allein in Erscheinung treten? Was wird mit der Privatsphäre, wenn alleine bereits mit der Endung klar ist, was für Seiten man besucht hat? Und schließlich könnten Cyber-Squatter Domains registrieren, die den Namen ordentlicher Personen (natürlichen wie juristischen) entsprechen und deren Renommee beeinträchtigen. Javed schloss seinerzeit und schließt heute seinen Artikel mit Blick auf ein großes Domain-Fiasko. Dies scheint heute mehr als gestern unbegründet zu sein, wobei die Frage bleibt, die ich oben schon beantwortet habe: welche Endung ist sinnvoll? Die Nutzer werden es zeigen.

Ein Dritter Artikel stammt von einem nicht näher benannten CircleID Reporter, der die Fakten zusammenträgt und insbesondere auf ein Fünzehnminütiges Interview mit ICANN CEO, Rod Beckstrom, und Chairman Peter Dengate Thrush, in San Francisco über die Freigabe von .xxx. Zudem zitiert der Artikel ein Statement von Karl Auerbach, der erklärt, das .xxx-Ding ist noch nicht in trockenen Tüchern. ICANN und ICM-Registry müssen erst noch einen Vertrag aushandeln. Unklar ist auch, inwieweit die Gegengruppierung NTIA zu ICM Registry damit umgeht, ob sie nicht einen Rechtsstreit vom Zaune bricht und weitere vier beachtenswerte Punkte.

Alles in allem scheint die Lage noch immer nicht wirklich klar und der von ICM Registry-Chef Stuart Lawley zuversichtlich geäußerte Plan, bereits im Sommer mit der Sunrise Periode beginnen zu können, gefolgt von einer Landrush im Herbst erscheint sehr optimistisch.

neue Domain-Endungen: .sx vs. .xxx

18. März 2011

Manchmal ist man auch einfach nur ein Schaf.

IANA hat vor kurzem die neue country Code Top Level Domain (ccTLD) .sx – für Sint Maarten (Dutch part) – installiert. Nun hat openregistry.com den Zuschlag als Domain-Verwaltung erhalten und kündigt an, man werde voraussichtlich Adult Content eine Plattform geben. Womit .sx in Konkurrenz zur noch immer nicht von ICANN verabschiedeten Adult Endung .xxx träte.

Den Vorteil, den .sx hat ist, man ist eine Länderendung und muss sich keine Erlaubnis bei ICANN holen. Nach Eintrag in die Rootserver kann .sx eigentlich gleich loslegen: mit einer Sunrise Period und einer Landrush Period. Das wird innerhalb der kommenden sechs Monate über die Bühne gehen können.

Derweil ist immer noch unklar, was aus .xxx wird. Zur Zeit findet das 40. ICANN-Meeting statt. Die Adult Industry, das heißt ca. 25 Adult Webmaster protestieren gegen die Einführung von .xxx. Man rechnet damit, dass der gesamte Adult-Bereich unter diese Endung abgeschoben werden könnte, wo man sich jetzt unter allen Endungen verbreitet hat.

Zudem vermutet Domainer Andrew Alleman, dass mit einer weiteren Verzögerung der Einführung von .xxx der gesamte Ablauf der Einführung neuer generischer Top Level Domains (nTLDs) ins Stocken gerät. Letzteres wollen wir nicht hoffen. Es dauert schon viel zu lange mit der Einführung und die Gespräche zwischen GAC und ICANN, die jetzt geführt werden, hätte man bereits viel früher führen können und müssen.

Doch sei dem wie es wolle: .sx wird bald starten und ähnlich wie .co und .me vermarktet werden. Meine schafsmäßige Frage aber war: Warum sollte die Endung in Konkurrenz zu .xxx treten? – Ich bin nicht im Entferntestes auf das fehlende »e« gekommen, wie es ideal in einer Endung .sex repräsentiert würde. Das scheint mir kein gutes Geschäft für .sx zu werden.

UpDate
Mittlerweile hat ICANN im Rahmen des 40. Meetings .xxx zugelassen. ICM Registry, die Verwaltung von .xxx, will laut domainnamewire.com im Juni mit einer Sunrise Period für Markeninhaber starten und im Herbst die Landrush Period beginnen.

Adressraum geht zur Neige

20. Januar 2010

Gestern kam eine Nachricht von ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) herein, in der es heisst, dass nun nur noch 24 IPv4-Adressblöcke, das sind pro Block 16 Mio. IP-Adressen und zusammen also 384.000.000 IP-Adressen, zur Verfügung stehen. Die letzten 10 % des Adressraums werden also gerade angebrochen, und mit IPv6 sieht es noch immer nicht sehr gut aus.

Marina del Rey, CA… January 19, 2010… The available pool of unallocated Internet addresses using the older IPv4 protocol has now dipped below the 10 percent mark. There are now just 24 address blocks (each block is about 16-million IP addresses) that ICANN has not yet allocated to the Regional Internet Registries around the world.

Weiter wird in der Pressemitteilung von ICANN davon gesprochen, welche Herausforderung das darstellt und aber auch, welche Vorteile IPv6 hat. Ja klar, aber Fragen nach technischen und deren Lösung werden nicht gestellt. Vor zwei Jahren stand man noch vor großen technischen Problemen.

Die Schwierigkeiten der Kommunikation zwischen IPv4 und IPv6 sind groß. In einer Liste der IETF findet man zahlreiche Probleme, die noch zu lösen sind. Zur Zeit wird die Kommunikation auf IPv6-Ebene durch das IPv4 getunnelt. Spätestens 2010 bis 2012 soll der Umstieg auf IPv6 erfolgt sein. Dann werden wahrscheinlich noch verbliebene IPv4-Dienste durch das IPv6-Netz getunnelt. Unmittelbar miteinander kommunizieren können beide Protokolle jedoch nicht. Wie heise.de mitteilt, liegt nach Ansicht von Fred Baker, Entwickler bei Cisco und einer der Leiter der Arbeitsgruppe IPv6-Operations bei der IETF, der Hauptvorteil einer Übersetzungslösung in deren transparenz und dass sie die ungleichen Welten miteinander verbindet.

Ob sich da irgendetwas relevant geändert hat, ist mir nicht bekannt.

Weitere Informationen zu IPv6 findet man bei ICANN. Und ein Statement der NRO (Number Resource Organization), die sich um die fünf RIRs (Regional Internet Registries, von denen für uns hier in Europa RIPE in Amsterdam zuständig ist) kümmert, gibt es auch.

Wolfgang Kleinwächter im Gespräch

2. Juni 2009

… über »Die große Chinesische Firewall, wobei er sich auf diese nicht beschränkt, sondern auch Kritik über den Vorstoß Europas im Hinblick auf die Verwaltung des Internet übt. Vivian Reding, EU Kommissarin für das Internet, hatte vor kurzem vorgeschlagen, die Verwaltung des Internet über ein staatliches Gremium (G 12: 11 Regierungen Plus dem ICANN-Chef) zu führen. Dazu meint Kleinwächter:

Wenn Sie das Management der technischen Ressourcen einem zwischenstaatlichen Gremium übergeben, bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit die Dynamik des Internet auf der Strecke und Regierungskontrolle hält Einzug. Die Offenheit für Innovation, das End-zu-End Prinzip der Internet Architektur ohne einer zentralen Aufsichtsbehörde ist das eigentliche Geheimnis hinter der unglaublichen Erfolgsgeschichte Internet bei der binnen 20 Jahren die Zahl der Nutzer (und Nutznießer) des Internet von weniger als 100 000 auf 1.6 Milliarden wuchs.

Allerdings.

IDN Glossar

3. Mai 2007

ICANN hat dieser Tage ein Glossar für Internationalized Domain Names, kurz IDN oder umgangssprachlich »Umlautdomains«, eingerichtet.

Bisher gibt es immerhin 15 Einträge: von

ACE (ASCII Compatible Encoding)

bis

UTF-8

.org nun auch

19. April 2007

Eva Frölich, Interims Präsident und CEO der .org-Verwaltung PIR, hat nun ebenfalls Paul Twomey, Präsident und CEO der ICANN, angeschrieben. Und was steht drin?

.org wird teurer, ab 18.10.2007. Dann kosten die Domains US$ 6,15.

(Kann es sein, dass sich die verschiedenen Top Level Domain-Verwaltungen abgesprochen haben?)

.berlin

15. April 2007

Man glaubt es kaum:

Spiegel-Online berichtet von einer kleinen Gemeinde im Norden der Republik, die Ansprüche an die dotBERLIN GmbH & Co. KG stellt, weil ein Stadtteil ebenfalls Berlin (500 Einwohner, »seedorf-berlin.de«) heisst und ein paar Jahre früher urkundlich erwähnt sein soll (von welcher Qualität Urkunden aus diesem Zeitraum sind, weiss die Geschichtswissenschaft zu genüge) als unsere Hauptstadt.

Man kann über die Sinnhaftigkeit der Einführung von .berlin sicher streiten. Aber solchermaßen irgendwelche unausgegorenen Ansprüche gegen die Macher von .berlin zu stellen ist meines Erachtens nicht etwa fragwürdig. Es ist lächerlich.

.info wird auch teurer

13. April 2007

Roland LaPlante, Vice President der Domainverwaltung Afilias, die den Adressraum von .info unter sich hat, kündigte in einem Schreiben vom 13.04.2007 (.pdf, 217K) an ICANN-Chef Paul Twomey an, ebenfalls die Preise für die Domains zu erhöhen. DotInfo-Domains sollen zukünftig US$ 6,15 kosten, und zwar ab 15.10.2007.